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Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 24.05.2019 um 12:11:15

Rund um den Burgenlandkreis: Folge 18 - Roda

„Hier ist es wie im Urlaub!“

In unserer Serie rund um den Burgenlandkreis entdecken wir heute gemeinsam den Ort Roda.

Roda (mh). Die Vögel zwitschern, die Obstbäume blühen und ein leichter Wind weht über die nahegelegenen Rapsfelder. „Ich lebe gern hier“, sagt Rolf Junghanns und blickt von seinem Grundstück in die Weite. „Es ist ein Ausblick wie in Bayern“, lacht er. Seit dem 1. April 1984 wohnt der gebürtige Kaynaer in Roda, im einzigen Haus, das damals in der Nähe von Kayna zum Verkauf stand: „Einen Dorfjungen kann man nicht in die Stadt verpflanzen.“ Die Arbeit in seinem Garten ist für den 58-Jährigen der Gegenpol zu seiner Arbeit als Polizist in Droyßig. Von hier kann er die Landesgrenze zu Thüringen sehen und auch den Verlauf der alten Salzstraße, die früher einmal die Messestädte Nürnberg und Leipzig verband. Zu DDR-Zeiten gab es im Ort eine Gaststätte, einen Kindergarten und sogar eine Schule. Die Kindereinrichtungen schlossen Ende der 1960er Jahre. Den Konsum gibt es seit der Wende nicht mehr. „Wenn meine Lebensgefährtin und ich einkaufen wollen, dann müssen wir ins 17 Kilometer entfernte Zeitz oder nach Pölzig. Ohne Auto ist man hier aufgeschmissen.“ Zu DDR-Zeiten herrschte in Roda reger Busverkehr. Da fuhren die Busse zum Schichtwechsel zur Wismut. Er erinnert sich auch gern noch an das Postauto, in dem man mitfahren konnte. Doch das ist schon lange her. Heute gibt es nur noch Rufbusse. Dennoch wohnt Rolf Junghanns gern in Roda: „Der Zusammenhalt im Dorf ist gut. Es gibt keinen Streit zwischen den Nachbarn. Hier genieße ich meine Ruhe.“

Diese Ruhe genießen auch Viola Riegner und ihr Lebenspartner Klaus Wilfling. Sie wohnen mit Eltern und Schwiegereltern sowie Kindern zu zehnt in einem ehemaligen Bauernhof. Der 59-Jährige ist im Dorf geboren. Viele Stunden seiner Freizeit verbringt er damit, den Rasen an seinem Haus zu mähen: „Seit der Zwangseingemeindung passiert hier nicht mehr viel. Das Brückengeländer fehlt schon lange und auch die Straßen müssten gemacht werden. Wir sind die ‚vergessenen Dörfer‘.“ Dennoch möchte er nicht woanders leben. Viele schöne Erinnerungen hat er in Roda gesammelt: „Damals haben uns Kinder die Bauern mit Traktor oder Pferdefuhrwerk auf unseren Schlitten den Berg hinauf gezogen, den wir dann wieder runter sausten. Und als zu DDR-Zeiten das große Hochwasser war, paddelten wir in einem alten Backtrog und in einer Zinkwanne über die Wiesen.“ Früher gab es auch eine Post im Dorf, in der das einzige Telefon weit und breit stand. Klaus Wilfling erinnert sich noch genau, wie die Dame von der Post den Berg hinauf gerannt kam, um das Gespräch mit der Tante aus dem Westen anzukündigen. „Dann haben wir drei Minuten telefoniert bis es ‚Knack‘ machte und die Leitung tot war. Die Stasi hatte sich dazwischen geschaltet.“

Heute freuen sich die Rodaer auf das jährliche Sommerfest und auf den Weihnachtsmarkt. Die Dorfbewohner lieben die Stille. „Hier zu wohnen ist wie Urlaub“, sagt Viola Riegner, während sie dem Hund Pitti das Köpfchen krault.

Zur Geschichte
Roda wurde im 7. Jahrhundert von den Sorben (Wenden) als Rundling angelegt. Um das Dorf pflanzte man eine Dornenhecke als Schutz vor wilden Tieren wie Bären und Wölfe. Die Häuser standen damals in Hufeisenform im Tal der Schnauder. Das heutige Oberdorf wurde erst einige Jahrhunderte später von den deutschen Bauern bebaut. Durch Roda fließt die Große Schnauder, auch Kaynaer Schnauder beziehungsweise in ganz alten Akten Rotafluss genannt.

Vor etwa 1.000 Jahren gab es ein Kloster bei Roda. Es befand sich zwischen dem heutigen Unterdorf und dem Röder. Die Reste des ehemaligen Klosterbrunnens sind sogar noch heute auf der sogenannten Klosterwiese zu erkennen.

Roda gehörte 1570 zum Gericht Wildenborn. Zwei geschädigte Rodaer Bauern sagten beim Wildenborner Hexenprozess anno 1570 vorm Gerichtsherrn Gottfried von Ende auf Schloss Wildenborn aus und klagten über ihren erlittenen Schaden. Daraufhin wurde die angebliche Hexe Eva Geißler wegen Schadenszauber sowie Teufelsbuhlschaft zum Feuertod verurteilt und Freitag nach Pfingsten anno 1570 bei Sonnenaufgang lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Dorfentwicklung
um 1800: 12 Häuser
1880: 29 Häuser  mit 31 Haushaltungen
1890: 28 Häuser mit 31 Haushaltungen und 134 Einwohnern
31.12.2010: 77 Einwohner
31.12.2018: 68 Einwohner

Ein Dank geht an Volker Thurm, der uns die Geschichte des Dorfes zugearbeitet hat.

 

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