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Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 23.07.2019 um 14:13:42

Rund um den Burgenlandkreis: Folge 26 - Stolzenhain

Lecker Kirschen aus Nachbars Garten

In unserer Serie rund um den Burgenlandkreis entdecken wir heute gemeinsam den Ort Stolzenhain.
Stolzenhain (mh).
Mit einem zufriedenen Gähnen reckt sich Katze Lilly im Schatten der weißen Pfingstrosen, die im Vorgarten von Familie Ladek stehen. Die Bienen summen und ein leichter Windhauch fährt durch die Sitzecke. Das Rentnerehepaar schlägt die alte Schulchronik auf. In altdeutscher Schrift haben die damaligen Lehrer allerlei für die Nachwelt notiert: Das ehemalige Schulhaus war früher das Wohnhaus eines Braunkohlengrubenbesitzers und wurde ab 1894 als Schule verwendet.„Wir haben die alten Chroniken übernommen und werden sie weiter führen“, erklärt Inge Ladek und blättert eine vergilbte Seite um. Der Ursprung des Dorfes ist in Dunkel gehüllt. Die Gründung erfolgte wahrscheinlich um das Jahr 1200. Um 1230 taucht der erste Stolzenhainer namentlich in einer Urkunde auf: ein Kurt von Stolzenhain. Sein Name weist darauf hin, dass die Gegend einstmals waldreicher war als heute. Seit 1968 wohnt Inge Ladek gemeinsam mit ihrem Mann Rainer in Stolzenhain. „Wir lieben die Ruhe, das eigene Zuhause und auch den Zusammenhalt im Dorf“, sagt der Rentner. „In unseren Gärten vor und hinter dem Haus gibt es immer viel zu tun.“ Während sich im Vorgarten die Blumen in den schönsten Farben in Richtung Sonne strecken, wachsen auf den anderen Beeten Erdbeeren, Möhren, Kohlrabi und Erbsen in Reih und Glied. Inge Ladek zupft einen Grashalm aus der Erde und erzählt: „Früher hatten meine Eltern auch noch Ziegen, Schafe, Hühner, Enten und Gänse. Doch das ist in unserem Alter einfach zu viel Arbeit.“

Gemeinsam Feste feiern
Noch zu DDR-Zeiten wohnten weit über 100 Einwohner in Stolzenhain; heute sind es weniger als 80. Es gibt weder einen Konsum, eine Gaststätte noch einen Friseur. Alle Besorgungen müssen mit dem Auto oder dem öffentlichen Busverkehr gemacht werden. „Das ist manchmal gar nicht so einfach“, erklärt Rainer Ladek. „Die älteste Bürgerin ist Jahrgang 1930. Ohne Auto ist das Leben auf dem Dorf schwer geworden.“ Und dennoch fühlen sich die beiden umgeben von lieben Nachbarn geborgen. Hier werden noch über den Gartenzaun gern Erdbeeren gegen Kirschen getauscht. Inge Ladek rollt eine Träne des Glücks über die Wange: „Große Feste werden gern in der Gemeinschaft begangen. Vor zwei Jahren feierten wir unsere Goldene Hochzeit; ein Kranz wurde geflochten und Fichten gesetzt. Es gab Kaffee und Kuchen und wir haben gegrillt.“

Dorfkirche mit Charme
In der Mitte des Dorfest steht die Kirche. Die Sanierung der Außenhülle fand mit der Fertigstellung im August 2015 seinen erfolgreichen Abschluss. Das Projekt wurde durch das Land Sachsen-Anhalt mitfinanziert. „Das Gotteshaus ist so schön geworden“, schwärmt Inge Ladek. „Es ist einfach gehalten mit zwei Emporen, einer Kanzel und einem Altar. Dieser muss noch hergerichtet werden, aber die Fördergelder fehlen.“ Regelmäßig finden Gottesdienste statt, aber auch Buchlesungen oder Chorauftritte. Begeistert waren die Einwohner zum Beispiel vom Auftritt der Jugendkantorei. Zu solchen Veranstaltungen kommen gern auch Ehemalige dazu und genießen die Stolzenhainer Atmosphäre.

Doch nicht alle sind so zufrieden mit den Gegebenheiten. Eine junge Anwohnerin mit Kind sieht keine Perspektive für die Zukunft des Ortes. „Für junge Familien wird nicht viel getan: Am Spielplatz steht oft das Gras meterhoch und Gemeindeflächen vor den Häusern mähen wir privat, damit es nicht so verwildert aussieht. Der Zustand der Straße ist an manchen Stellen miserabel. Die Gemeinde vergisst uns einfach viel zu oft.“

Aus der Geschichte
• 1872 wurde im Gehöft Nr. 23 ein Kaufladen eingerichtet.
• 1911 wurde die Kreisstraße vom Dorf zum Bahnhof Weickelsdorf gebaut.
• Das elektrische Licht erhielt 1913 Einzug.
• Im Jahr 1955 gabe es drei Fernsprechanschlüsse, darunter die LPG und die Schule.

Stolzenhain und die Kohle
Auf alten Landkarten sieht man oft westlich von Stolzenhain zwei Kohlengruben eingezeichnet. Einst ging ein lebhafter Fuhrwerksverkehr durch den Ort hindurch. Im Kirchenbuch ist ersichtlich, dass früher neun Familien von Bergleuten und Steigern sowie zwei Grubenbesitzer ansässig waren. Vor rund 190 Jahren begann man mit dem Abbau der Braunkohle. 1830 begann Johann Gottfried Staadte zu schachten und erwirtschafte sich ein kleines Vermögen. An dem Weg nach Kleinhelmsdorf lag die ehemalige Grube „Karl“. Sie hatte eine Belegschaft von ungefähr 40 Mann. Im Jahr 1913 brannte sie ab und fand so ihr Ende.

Vom „Teuschen“ und Schmuggeln
Dicht hinter den Grundstücken rauschte der Teuscherbach vorbei und floss, mit dem Helltalbach und dem Weißenborner Bach, in die Elster. Dieses Gewässer bildete einst die Grenze zwischen dem Herzogtum Altenburg und Sachsen. Es entwickelte sich an dieser günstig gelegenen, unübersichtlichen Stelle ein reger Schmugglerverkehr. So sind die Bezeichnungen Schmuggeln, tauschen, teuschen und Teuschermühle eng miteinander verbunden.
Quelle: Chronik von 1955

 

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