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Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 23.07.2019 um 14:37:27

Rund um den Burgenlandkreis: Folge 28 - Goldschau

„Du sollst immer Spaß im Leben haben!“

In unserer Serie „Rund um den Burgenlandkreis“ entdecken wir heute gemeinsam den Ort Goldschau.
Goldschau (mh).
„Ich habe Sie bereits erwartet“, lacht Herbert Burkhardt bei der Begrüßung. „Ich verfolge Ihre Serie ’Rund um den Burgenlandkreis’ im Super Sonntag und habe gehofft, dass Sie auch nach Goldschau kommen.“ Der Rentner feierte erst am Sonntag vergangener Woche seinen 93. Geburtstag: „Es war schön, aber in meinem Alter sind solche Feste auch anstrengend.“ Herbert Burkhardt ist in Goldschau geboren - in dem Haus, in dem er auch heute noch lebt. Viele Generationen bewohnten den ehemaligen Vierseitenhof. Sein Großvater sammelte Dokumente, die bis ins Jahr 1650 zurückreichen. Der jetzige Dreiseitenhof mit seinem Fachwerk ist liebevoll von den nachfolgenden Generationen saniert worden. Heute wohnen seine Tochter, sein Schwiegersohn und ein Enkel mit im Haus. Stolz erzählt der Urgroßvater von seinen drei Kindern, fünf Enkeln und vier Urenkeln.

Unvergessene  Kriegsbilder
Doch am meisten bewegen ihn immer noch die Jahre des Krieges: „Ich habe schlimme Sachen gesehen. Ich war gerade einmal 17 Jahre alt, als ich zur Wehrmacht musste. Die schrecklichen Bilder begleiteten mich mein weiteres Leben.“ Dreimal wurde Herbert Burkhardt damals verwundet. Nach russischer Kriegsgefangenschaft kehrte er erst 1949 nach Hause - nach Goldschau - zurück. „Das war eine Wiedersehensfreude nach sechs langen Jahren“, erinnert er sich noch ganz genau. Traurig fügt er hinzu: „Viele meiner Freunde habe ich nie wiedergesehen. Sie sind im Krieg gefallen.“

Doch auch in Goldschau musste das Leben weiter gehen. So wurde in dem kleinen Dorf im Leinewehtal wieder getanzt. Seine Mutter brachte ihm im heimischen Kuhstall die Schritte für Walzer und andere Gesellschaftstänze bei. Dann ging es auf den Saal im Dorf. „Mir hat das Tanzen so viel Freude gebracht. Eines Tages traf ich dort die kleine Schwester meines Schulfreundes Werner wieder“, erzählt er mit strahlenden Augen und deutet mit der Hand auf Tischhöhe. „Als ich Ruth das erste Mal sah, war sie vielleicht drei oder vier Jahre alt, sechs Jahre jünger als ich.“ Doch an diesem Abend in der Gaststätte trat eine junge Frau auf ihn zu. „Ich habe die ganze Nacht nur mit ihr getanzt. Zwischendurch musste ich sogar  nach Hause um mir ein frisches Hemd anzuziehen - so sehr habe ich geschwitzt.“ Seit dem sind die beiden ein Herz und eine Seele. 1953 ließen sie sich in der Goldschauer Kirche durch Pfarrer Müller trauen. „Die Kirche hat mich mein ganzes Leben begleitet: Ich wurde in ihr getauft, hatte Konfirmation und habe auch dort geheiratet“, fasst der 93-Jährige zusammen. Schmunzelnd fügt er hinzu: „Durch den hölzernen Turm der Kirche wurde unser Dorf immer ’Brettergoldschau’ genannt.“

Ein Leben fürn die Arbeit
Sein ganzes Leben widmete Herbert Burkhardt der Arbeit. Bei seinem Vater lernte er den Beruf des Landwirts, arbeitete zuerst als Gehilfe, später als Selbstständiger im väterlichen Betrieb, der ab 1960 - eher unfreiwillig - an die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) abgegeben wurde. In den ersten Jahren nach der Zwangskollektivierung fuhr Herbert Burkhardt Futter und dämpfte Kartoffeln für das Vieh. Ab 1965 fuhr er vorrangig Kran und lud Mist. Im Sommer arbeiteten die Männer bis in die Nacht 1 Uhr und standen 5 Uhr morgens wieder auf. Heute unvorstellbar, wie er anmerkt. In den 1970er und 1980er Jahren war er dann mit der Wartung, Instandsetzung und Pflege der landwirtschaftlichen Maschinen zuständig. Noch heute liebt er die Trecker und freut sich, wenn sein Enkel ihn mal mit auf die großen Maschinen nimmt. „Nur das Runterkommen fällt mir  schwer“, gibt er zu.

In seinen vielen Arbeitsjahren war Herbert Burkhardt nur einmal krank. Nach einer TBC-Erkrankung musste er sechs Wochen im Krankenhaus verbringen. „Ja, wir haben viel gearbeitet, wenig geruht. Aber die Geselligkeit war dennoch besser. Zu meinen Kindern habe ich immer gesagt: ’Alles, was ihr macht, muss Spaß machen.’ Aber leider kann ich heute selbst diesen Auftrag nicht immer erfüllen.“

Zur Geschichte
Goldschau liegt 12 Kilometer südöstlich von Naumburg im Tal der Leineweh. Neben Goldschau gehört auch Kaynsberg zur ehemaligen Gemeinde. Die Gemeinde wurde am 5. Juni 1170 erstmals urkundlich erwähnt. Sie lag bis 1815 im sächsischen Amt Weißenfels. Im Ort befindet sich ein Rittergut. Das Rittergut besaß ehemals auch Gerichtsbarkeit. Besitzer waren über die Jahrhunderte mehrere bekannte Adelsfamilien. 1992 wurde das 219 Hektar umfassende Gebiet zum Naturdenkmal erklärt.

Am 1. Januar 2010 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinden Goldschau zusammen mit den Gemeinden Heidegrund und Waldau in die Stadt Osterfeld eingemeindet.

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