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Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 05.09.2019 um 11:11:03

Rund um den Burgenlandkreis: Folge 33 - Kleinheringen

Steffen Sonnekalb mit zwei seiner vier Strauße. Ursprünglich waren es mal fünf, einen holte der Wolf. Steffen Sonnekalb mit zwei seiner vier Strauße. Ursprünglich waren es mal fünf, einen holte der Wolf.
Foto: M. Schumann Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder)
Ganz am Rand und doch mittendrin

In Kleinheringen leben rund 60 zweibeinige Einwohner - vier von ihnen sind gefiedert und 120 Kilo schwer.
Kleinheringen (ms).
Blitzschnell kommen vier Strauße an den Zaun gerannt, beäugen neugierig jeden Radfahrer oder Fußgänger, der vorbei kommt - und werden selbst neugierig beäugt. Die riesigen 120 Kilo schweren Laufvögel sind ein Blickfang, selten genug steht man ihnen in unseren Breiten Auge in Auge gegenüber. Die eindrucksvollen Tiere gehören Steffen Sonnekalb, der in Kleinheringen zusammen mit seiner Frau Grit einen Museums-Gutshof mit Hotel und Gastronomie betreibt. Die Strauße sind einer von vielen Gründen, warum Familie Sonnekalb sich über stetig steigenden Zuspruch freuen kann. Immer wieder halten Radwanderer an, machen Rast, kaufen Straußen-Eierlikör. Hotelgästen wird morgens Rührei vom Strauß serviert und Ostern ist das Straußeneierbemalen ein gut besuchtes Event.

In den letzten 22 Jahren machte die Familie aus einer ehemaligen LPG einen schmucken und sehenswerten Betrieb. Von der luxuriösen Suite bis zur Übernachtung im Stroh wird alles geboten. Eine Foto-Wand und Autogramme auf einem Lanz Bulldog künden von zahlreichen prominenten Besuchern von Tagesschau-Sprecher Jan Hofer bis zu den Puhdys.

Zum Hof gehören außerdem ein Museum mit hunderten Exponaten aus dem bäuerlichen Leben vergangener Jahrhunderte und eine Ausstellung von Puppen aus Heu. Sie zeigt Szenen aus bekannten Märchen, jeweils mit kleinen Fehlern. Besucher müssen sie suchen und notieren, einmal jährlich werden Preise ausgelost. Angefertigt wurden die Puppen in einer Behindertenwerkstatt des Trägers Euratibor, mit dem Sonnekalb zusammenarbeitet. Die Hälfte des Eintritts spendet er an Euratibor zurück. „Das waren über 2.000 Euro in den letzten drei Jahren“, sagt er.

Im Vergleich zu dem, was Familie Sonnekalb nach der Wende investiert hat, sind das freilich Peanuts. Mehr als zwei Millionen Euro flossen in den Hof. „Scheibchenweise“, sagt Steffen Sonnekalb und lobt im gleichen Atemzug die Zusammenarbeit mit dem Amt für Landwirtschaft, Forsten und Flurneuordnung (ALFF) und dem LEADER-Programm, aus dem er Fördermittel erhielt.

Davon profitierten nicht nur Sonnekalbs, sondern der ganze Ort. Alte graue LPG-Ställe konnten weggerissen und der Ortseingang schön gestaltet werden. Auch eine baufällige Scheune verschwand.

Mit rund 60 Einwohnern ist Kleinheringen tatsächlich sehr klein. Dennoch gibt es hier neben Familie Sonnekalb vier weitere Gewerbebetriebe. Außerdem hat der Ort eine eigenen Feuerwehr und einen Heimatverein. Busse der PVG enden hier, an der Landesgrenze zu Thüringen drehen sie um. Deswegen hat Kleinheringen im Vergleich zu anderen Dörfern dieser Größe eine relativ gute Anbindung an den Nahverkehr - immerhin bis zu vier Busse fahren hier pro Tag.

 Als ehemaliger Bad Kösener Ortsteil wird Kleinheringen politisch vom Ortschaftsrat Bad Kösen vertreten. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Naumburg lobt Steffen Sonnekalb ausdrücklich. „Der Friedhof, der Spielplatz, das ist alles tiptop. Da ist die Stadt sehr hinterher.“ Auch wenn mal etwas nicht so klappt, erreiche man mit einem Anruf oft viel, so Sonnekalb weiter. „Nur beim Dorfteich klappt das im Moment nicht so gut“, bemängelt er. „Der müsste schon lange mal wieder beräumt und entschlammt werden.“

Und auch wenn Kleinheringen ganz am Rande des Burgenlandkreises liegt - es hat sogar die Telefonvorwahl vom thüringischen Bad Sulza -, liegt es doch an einer Strecke ganz zentral: auf dem Saale-Radweg sind es von hier 224 Kilometer bis zu dessen Start in Hof und 224 Kilometer bis zur Saalemündung in Barby. Zudem endet - oder beginnt, je nach Sichtweise - hier auch der 175 Kilometer lange Ilm-Radweg. Die Kooperation über die Landesgrenze hinweg mit dem Weingut Zahn in Kaatschen funktioniert gut. Freizeitmöglichkeiten mit Freibädern in Bad Sulza und Camburg sowie der Therme in Bad Sulza sind ebenfalls vorhanden. Das bringt viele Besucher in den Ort und freut nicht nur Steffen Sonnekalb, sondern auch seine neugierigen Strauße.

Aus der Historie
Kleinheringen wurde 1344 erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte den Schenken zu Saaleck, die es später an die Naumburger Bischöfe verkauften. Später gehörte Kleinheringen als Teil des Amtes Naumburg zum kursächsischen Sekundogenitur - Fürstentum Sachsen-Zeitz, danach zum Kurfürstentum Sachsen und ab 1806 zum Königreich Sachsen. Nach dem Wiener Kongress 1815 kam der Ort zu Preußen und wurde als Teil des Kreises Naumburg Bestandteil der preußischen Provinz Sachsen. 1991 wurde Kleinheringen nach Bad Kösen und 2010 als Teil Bad Kösens nach Naumburg eingemeindet.

Termine:
• den ganzen September: frischer Federweißer und Zwiebelkuchen im Museums-Gutshof Sonnekalb
• 30. Dezember, jährliche Silvester-Wanderung über die Landesgrenze, Start 16 Uhr an der Therme Bad Sulza

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