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Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 03.02.2020 um 13:10:54

Der Ort zum Sonntag: Folge 5 - Kloster St. Claren Weißenfels

Das Kloster St. Claren in Weißenfels erinnert erst einmal nicht an ein Kloster. Das Kloster St. Claren in Weißenfels erinnert erst einmal nicht an ein Kloster.
Foto: W.-E. Mardas Galerie (1 Bild)
Im Zentrum von Weißenfels steht das Kloster St. Claren - und es hat wieder Zukunft.

Weißenfels (wm).
Nur einen Katzensprung vom Marktplatz Weißenfels entfernt steht ein wuchtiges Gebäude. Der Rosalskyweg, Am Kloster und die Saalstraße rahmen den Bau ein, dem man nicht auf dem ersten Blick ansieht, dass es ein Kloster war. Fragt man die Weißenfelser, was sie über das Haus wissen, so gibt es doch erstaunlich viele richtige Antworten. Da ist vom Kloster die Rede und vom Polizeirevier.

Wir treffen uns mit einem Spezialisten, der es wissen muss. Olaf Brückner ist der Vorsitzende des Weißenfelser Bürgervereins. „Unser Ziel ist es, das historische Klostergebäude im Herzen der Stadt zu erhalten, wertvolle historische Details zu sichern und das Objekt schrittweise einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Wer schon einmal ein altes Haus saniert hat, der kennt die Probleme und vor allen die Kosten“, erklärt er. Und dabei darf man nicht vergessen, es handelt sich um das älteste Haus in Weißenfels, was natürlich unter Denkmalschutz steht. Und dieses große Gebäude mal so kurz zu sanieren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. So etwas geht eben nur in Berlin mit dem Nachbau des Schlosses...

Aber wir sind nun einmal in Weißenfels und nicht in Berlin. Das Konzept des Bürgervereins ist darum den Gegebenheiten angepasst. Mit Veranstaltungen, Spenden und Förderungen wird Stück für Stück das große Endziel verfolgt, was allerdings noch in keinen Zeitstrahl eingefügt werden kann, an dem ein Enddatum zu erkennen ist. Es ist sozusagen ein Mehrgenerationen-Objekt.

Was ist zur Geschichte des Klosters zu sagen? Olaf Brückner schaut in die Chronik: „Im Jahr 1212 wird von Klara von Assisi der Klosterorden gegründet. 71 Jahre danach stiftet Markgraf Dietrich IV. auf Veranlassung seiner Tochter Sophie in Anlehnung an die Nikolaikapelle der ’Altstadt’ (Tauchlitz) das Nonnenkloster St. Clara. Das Claren-Kloster wird wegen seiner unsicheren Lage außerhalb der Stadtmauern in die neue, innere Stadt verlegt, wo es sich noch heute befindet. Der Einzug fand am 2. Juli 1301 statt. Wie auf einer Innenschrift einer Säule im Kapitelsaal zu lesen ist,  wird 1519 der Um- und Neubau durch Euphemia von Plausig beendet.  Nach der Reformation diente 1547 die Kirche als Steinbruch. Große Teile werden niedergerissen und die Steine zur Verstärkung der Stadtmauern im Schmalkaldischen Krieg benutzt. Auch werden Steine nach Leipzig zur Ausbesserung der Pleißenburg gebracht. 1540 wird das Kloster säkularisiert und den 18 Nonnen der Übertritt zum evangelischen Glauben angeboten. Euphemia von Plausig und fünf Nonnen weigern sich und verlassen das Kloster. Am 2. Mai 1580 verstarb die letzte verbliebene Nonne Regine von Winkhausen. In der Folge wurde das Kloster als Teil des Gymnasiums genutzt, eine Druckerei eingerichtet und ein Königliches Lehrerseminar eingerichtet. Nach 1908 kam das Gebäude in städtischen Besitz und wurde als Stadtbibliothek, Museum, Polizeistation und Verwaltung genutzt“, zählt der Vereinsvorsitzende die Geschichte auf.

Das Museum musste wegen der personellen Vergrößerung der Volkspolizei 1950 die Klosterräume verlassen. Ende 1998 verließ der letzte Polizist das Gebäude und es wurde entkernt.

Ein Verein hält den Verfall auf
Im Mai 2011 gründete sich der Weißenfelser Bürgerverein Kloster St. Claren e.V. und schloss 2012 mit der Stadt eine Nutzungsvereinbarung für einige Räumlichkeiten sowie zwei Höfe. Und dann begann eine langwierige Sichtung, Sicherung, Planung und Festlegung der Ziele sowie eine lange Zeit der Überraschungen.

„Als das Kloster 1540 säkularisiert wurde, brauchte man die alten katholischen Messbücher nicht mehr. Sie landeten in den Bibliotheken oder wurden weiterverwendet, zum Beispiel als Bucheinbände, denn Pergament war kostbar. Und so wurde zufällig vorreformatorische Musik gefunden. Doch nur ein Stück ist vollständig. Ein Vergleich mit dem ’Gregorianischen Repertoire ’, was sonst   fast immer fehlende Teile   ergänzt, brachte kein Ergebnis. Somit entsprechen die Noten wahrscheinlich einzigartiger lokaler Tradition. Und dieses 500 Jahre alte Notenfragment wurde aufgearbeitet und ist jetzt als CD zu haben“, freut sich Olaf Brückner.

Zahlreiche Veranstaltungen 2020
Um möglichst zahlreiche Besucher in das Kloster zu bekommen, hat sich der Verein mächtig ins  Zeug gelegt und einen langen und abwechslungsreichen Veranstaltungskalender entwickelt.

Schon am kommenden Dienstag, dem 4. Februar, 19 Uhr, gibt es etwas ganz Besonderes. Maria Hafner (Akkordeon & Gesang), Kabarettist Marco Schiedt und Fritz Tiller (Piano) präsentieren „Ein Kessel Buntes zum 70. Jahrestag der Gründung und 30. Jahrestag des Verschwindens der DDR“. Dieses Stück präsentiert 40 Jahre Geschichte der DDR. Vom optimistischen Aufbruch und Anspruch der Gründerjahre, über den Mauerbau zur Hybris des real existierenden Sozialismus bis zum Untergang des Arbeiter- und Bauernstaates. Literarische Texte von Johannes R. Becher und Wolf Biermann, Heiner Müller und Christa Wolf (u.v.a.) wechseln ab mit Liedern der Partei, der Singebewegung, Pionierliedern, Chansons und Schlagern der DDR. Gemeinsam mit Zitaten aus offiziellen Dokumenten der SED und Stasi-Unterlagen ergibt es eine bunte Collage. Dabeigewesene erleben eine nachdenkliche und ironische Reminiszenz ihrer DDR-Jahre. Alle anderen - auch die Jüngeren - können die DDR in einer heiteren und tiefgründigen Geschichtsstunde der etwas anderen Art entdecken. Dieses Stück unter dem Namen „Phantomschmerz“ wird am 3. Februar in Gera gezeigt, am 4. Februar im Kloster Weißenfels und am 5. Februar in Weimar. Alle bisherigen Veranstaltungen (Premiere am 7. Oktober 2019 in München) kamen sehr gut an und das Geraer „Fettnäpfchen“ war im November zweimal komplett ausverkauft. das Programm ist zweimal 45 Minuten lang und die Pause ist nach dem Mauerbau. „Ich werde auch den Armeegeneral Heinz Hoffmann deklamieren ... eine richtig schöne, kurzweilige, amüsante und auch nachdenklich machende Veranstaltung“, sagt der Kabarettist Marco Schiedt aus Weißenfels bei unserem besuch im Kloster.

Was sonst noch im Jahr geboten wird. „Ostern haben wir das  Ensemble Montalban in der Marienkirche. Sonntagsführungen durch das Kloster bieten wir jeweils 15 Uhr an folgenden Tagen an: 3. Mai, 7. Juni, 2. August und 6. September.  Am 9. Mai  gibt es von 10 bis 17 Uhr bei uns den 1. Koffermarkt in Weißenfels. Am 16. Mai sind wir auch bei der Museumsnacht ab 18 Uhr dabei. Zum Memento-“Dr.-Otto-Klein-Gedenktag“ laden wir am 14. Juni ab 15 Uhr ein. Zur Höfischen WeinNacht am 20. Juni öffnen wir das Kloster ab 17 Uhr. Im Juli, genau am 4., laden wir ab 16 Uhr zum Klosterfestival ein. Als ältestes Gebäude in Weißenfels laden wir natürlich auch zum Tag des offenen Denkmals am 13. September ein. Ich möchte noch auf den 3. Oktober ab 9 Uhr hinweisen. Da werden alte und neue Obstsorten präsentiert und man kann natürlich das Gespräch mit den Spezialisten suchen.   Am 7. und 8. November  führen wir jeweils von 10 bis 17 Uhr unseren beliebten Martinsmarkt mit einem breitem Weihnachtsangebot durch. Und der letzte Termin ist der 29. November ab 15 Uhr. Da beteiligen wir uns an der Höfischen Weihnacht. Zu allen Veranstaltungen lade ich gern die Super Sonntag Leserinnen und Leser herzlich ein“, so Olaf Brückner.

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